Zu Besuch bei erfolgreichen Legal Techs in Berlin

Legal Tech boomt. Die Liste der Legal Tech-Unternehmen in Deutschland wird ständig länger. Viele der Legal Tech Start-ups haben ihren Sitz in Berlin. Grund genug für Soldan und Wolters Kluwer Deutschland, auf ihrer zweiten Legal Tech Tour in diesem Jahr in die Hauptstadt zu reisen. Rund 30 Teilnehmer nutzten am 8. und 9. November die einmalige Gelegenheit, um einen Blick hinter die Kulissen einiger ausgewählter und erfolgreicher Unternehmen der Szene zu werfen. Dabei waren die Besuche bewusst kurz gehalten, um die Teilnehmer ganz komprimiert wie bei einem Pitch über das Wesentliche der Unternehmen zu informieren.

 

Beim Marktführer für Bußgeldverfahren

Los ging es mit einem Stopp bei der Coduka UG. Ihr Service geblitzt.de ist der Marktführer für Bußgeldverfahren: 300 bis 500 Fälle gehen täglich auf der Plattform ein. Mit einer eigens entwickelten Software werden die Fälle so aufbereitet, dass sie von den beiden Anwaltskanzleien, mit denen geblitzt.de zusammenarbeitet in hohem Maße automatisiert bearbeitet werden können. Die Betroffenen zahlen für den Widerspruch gegen ihren Bußgeldbescheid nichts. Geblitzt.de finanziert sich über die Lizenzen für die Software, die sie ihren Vertragspartnern zur Verfügung stellt. Derzeit arbeiten 24 Mitarbeiter für Coduka. Geschäftsführer Jan Ginhold führte selbst durch das Büro, das sich in der obersten Etage eines alten Fabrikgebäudes in Treptow Köpenik befindet.

 

Das bekannteste Portal für Fluggastentschädigungen

Quer durch das herbstliche Berlin führte die Tour die Teilnehmer dann zu dem wohl bekanntesten Portal für Fluggastentschädigungen. Über flightright.de können Passagiere bei Flugverspätungen, -annulierungen oder Nichtbeförderung ihre Ansprüche nach der EU-Fluggastrechteverordnung durchsetzen. Sie zahlen für die Leistung nur im Erfolgsfall von 20 bis 30 Prozent zuzüglich Umsatzsteuer ihrer Entschädigung. Das Geschäftsmodell ist erfolgreich: Nach den Worten von Oscar de Felice, zuständig für die rechtliche Strategie, zählt flightright bislang 5.2 Millionen Nutzer aus 192 Ländern zu seinen Kunden und 277 Airlines zu seinen Gegnern – und das bei über 200 Millionen Euro durchgesetzten Forderungen. Bis heute wurden 36.000 Gerichtsverfahren gewonnen, davon einige Grundsatzurteile vor dem Europäischen Gerichtshof. Derzeit sind 76.000 Fälle vor Gericht anhängig.

Seit Neuestem wendet sich ein Tochterunternehmen von flightright der Zielgruppe der Arbeitnehmer zu. Unter dem Namen „Chevalier“ bietet das Unternehmen schnelle Hilfe bei arbeitsrechtlichen Kündigungen und Abfindungsansprüchen.

 

Prämierte Lösung zur Dokumentenautomatisierung

Die Arbeit innerhalb der Kanzlei mit Legal Tech zu erleichtern, ist das Ziel des dritten Unternehmens auf der Tour: Lawlift hat eine Software zur Dokumentenautomatisierung entwickelt. Mit den intelligenten Vorlagen kann der erste Entwurf eines Vertrages in nur wenigen Minuten stehen. Für diese Lösung erhielt das Unternehmen auch 2017 den STP Legal Innovation Award in der Kategorie Prozessinnovation. Dr. Stefan Bunnenberg, Mitgründer und CEO von Lawlift, demonstrierte den Teilnehmern, wie mit der Software in kürzester Zeit eine Vertraulichkeitsvereinbarung entwickelt werden kann. Das Unternehmen arbeitet u.a. mit dem Otto Schmidt Verlag zusammen, der Inhalte für die verschiedenen Vertragsmuster liefert.

Auf der letzten Station bei Babbel, dem weltweit erfolgreichsten Anbieter von Online-Sprachkursen und -Apps mit weit mehr als einer Million Nutzern, ging es um die Herausforderungen auf dem Weg zu einer effizienten Digitalisierung der Rechtsabteilung. Danach klang der ereignisreiche Tag mit einer Bootsfahrt durch das nächtliche Berlin und einem Abendessen in einem Restaurant direkt am Spreeufer aus.

 

Den Bericht über den Kongress zum Thema Legal Chatbots zweiten Tag der Legal Tech Tour lesen Sie hier.