Legal Tech in Rechtsabteilungen: „Nicht zu perfektionistisch sein“

Wie lässt sich durch den Einsatz von digitalen Lösungen die Arbeit in der Rechtsabteilung eines Unternehmens verbessern? Über dieses Thema wird Rechtsanwalt Dr. Frederik Leenen, LL.M. (UConn) auf dem diesjährigen Anwaltszukunftskongress am 14. September in Düsseldorf sprechen. Er ist Leiter Legal Tech bei CMS Hasche Sigle, Berlin, und beschäftigt sich unter anderem auch mit digitalen Lösungen, die die Kanzlei ihren Mandanten anbietet.

 

Wie weit ist der Einsatz von Legal Tech bereits in den Rechtsabteilungen deutscher Unternehmen fortgeschritten?

Dr. Frederik Leenen: Die Beschäftigung mit diesem wichtigen Thema hat sich in den vergangenen Jahren merklich verbessert. Vor allem größere Unternehmen haben in ihren Rechtsabteilungen Positionen für Mitarbeiter geschaffen, die sich ausschließlich um dieses Thema kümmern. Das zeigt, dass der Einsatz von Legal Tech inzwischen einen viel höheren Stellenwert erreicht hat.

 

Wo sehen Sie in der Rechtsabteilung die größten Chancen für digitale Lösungen?

Dr. Frederik Leenen: Mit Legal Tech soll die Arbeit effizienter werden. Rechtsabteilungen beschäftigen sich zum Großteil damit, Verträge zu erstellen und zu überprüfen. Darauf zielen viele Lösungen zur Vertragsautomatisierung.

 

Welche Vorteile bieten solche Lösungen in der Praxis?

Dr. Frederik Leenen: Nehmen wir als Beispiel die Einkaufsabteilung in einem Unternehmen: Die Mitarbeiter können sich ihren Vertrag anhand einer  Interviewmaske quasi individuell aus den passenden Klauseln selbst zusammenstellen. Sie können den Vertrag dann sofort abschließen und müssen sich nicht noch einmal mit der Rechtsabteilung abstimmen, soweit sie sich innerhalb des Gestaltungsrahmens bewegen, den ihnen das System vorgibt. Das spart Zeit. Die einzelnen Verträge sind oftmals auch schlanker, weil die verschiedenen Fallkonstellationen bei der Konzeption der digitalen Lösung schon alle einmal zuvor durchdacht worden sind. Auch die Verhandlungszeit wird dadurch kürzer.

 

Und welches sind Ihrer Meinung nach die größten Hürden für die Implementierung von Legal Tech in der Rechtsabteilung?

Dr. Frederik Leenen: Zum einen ist es oftmals eine Budgetfrage, denn der Einsatz digitaler Lösungen erfordert zunächst relativ hohe Investitionskosten, der Nutzen stellt sich aber erst nach einem oder zwei Jahren ein. Zum anderen kommen kulturelle Hürden hinzu. Nicht jeder Mitarbeiter steht der Einführung von Legal Tech positiv gegenüber. Auch der Perfektionismus, der Juristen generell nachgesagt wird, kann ein Hindernis sein. Die 100-Prozent-Lösung ist meistens nicht wirtschaftlich, weil ihre Entwicklung viel zu aufwändig ist. Mit dem 80:20-Prinzip können sich hingegen viele Juristen nicht anfreunden. Dabei ist es oftmals besser in kleinen Schritten voranzugehen, als beim großen Ganzen zu scheitern.

 

Inwieweit stellt die Datensicherheit eine Hürde dar?

Dr. Frederik Leenen: Informationssicherheit ist sicherlich immer ein Thema, an das man von Anfang denken muss. Aber sie lähmt auch ein bisschen und nimmt den Entwicklern den Spaß an der Sache. Die wollen gleich loslegen und erst einmal ausprobieren. Aber natürlich müssen Bedrohungen durch Hacker-Angriffe sehr ernst genommen werden, denn der Imageschaden, der dadurch in einem Unternehmen entstehen kann, ist gigantisch.

 

Wird sich Ihrer Meinung nach das Verhältnis zwischen den General Counseln und den externen Beratern durch Legal Tech verändern?

Dr. Frederik Leenen: Das ist schwer vorauszusagen. Der Effizienzdruck in den Unternehmen und Rechtsabteilungen steigt bereits seit Jahren. In den Rechtsabteilungen werden zunehmend mehr Wirtschafts- und weniger Volljuristen beschäftigt und reine sachbearbeitende Tätigkeiten werden sicherlich durch Technik ersetzt werden. Wir als Großkanzlei unterstützen unsere Mandanten in diesem Prozess, indem wir ihnen digitale Lösungen anbieten. Und selbstverständlich achten wir darauf, unsere Leistungen zum Vorteil des Mandanten auch selbst so effizient wie möglich anzubieten, etwa durch den Einsatz von Legal Tech und alternative Modelle beim personellen Sourcing.