„Unsere Generation will visionäre Führungskräfte“

Die Talente aus der Generation Y (1980-95) und der Generation Z (1995-2010) sind heiß begehrt. Über die Ziele der so genannten Millennials, ihre Erwartungen an die Arbeitswelt und die Hintergründe dieser Entwicklung wird Dr. Steffi Burkhart auf dem Anwaltszukunftskongress am 13. September in Düsseldorf sprechen. Die studierte Sportwissenschaftlerin und promovierte Gesundheitspsychologin gilt als Sprachrohr der Generation der Millennials und spricht und forscht über die Zukunft der Arbeit. Sie ist Aufsichtsrätin in einem Schweizer Unternehmen, Board Member eines internationalen Think Tanks und Human Capital Evangelist eines Consulting Unternehmens.

 

Was unterscheidet die Generation der Millennials von Vorgänger-Generationen?

 Dr. Steffi Burkhart: Wir sind die erste Generation, die digital aufgewachsen ist, und wir sind die ersten, die im globalen Wettbewerb um Talente bestehen müssen. Die Welt, in der wir uns bewegen, ist extrem unsicher, komplex und volatil – darauf müssen wir uns einstellen. Anders als unsere Eltern gibt es für uns keine klassische Drei-Phasen-Biografie mehr. Unser Berufsleben wird geprägt sein durch häufige Veränderungen: Vollzeitfestanstellung, Selbständigkeit, Teilzeitanstellung, Sabbaticals und Branchenwechsel. Nach Schätzungen des World Economic Forums wird unsere Generation vermutlich 6 bis 8 Mal den Job wechseln.

 

Warum wird so ein Hype um die Millennials veranstaltet?

 Dr. Steffi Burkhart: Wir sind die Generation, die das Thema Digitalisierung in der Arbeitswelt umsetzen und neue Geschäftsmodelle entwickeln werden. Gleichzeitig werden wir aufgrund der demografischen Entwicklung weniger. Der jetzt schon deutlich spürbare Mangel an Fachkräften wird noch stärker zunehmen. Unternehmen werden global um die besten Talente kämpfen müssen.

 

Inwieweit unterscheiden sich die Millennials in ihren Wünschen und Vorstellungen im Arbeitsleben von anderen Generationen?

Dr. Steffi Burkhart: Für viele unserer Generation hat es keinen Reiz, die vertikale Karriereleiter nach oben zu klettern. Bei uns steht mehr die Aufgabe und Wirkung unserer Arbeit im Vordergrund als eine „wichtige“ Position. Wir wollen und müssen uns auch breiter aufstellen als vorherige Generationen – weil wir eben nicht damit rechnen, einen Beruf bis zum Ende unseres Arbeitslebens auszuüben. Wenn wir uns also woanders besser entwickeln, mehr Wirkkraft erzeugen oder ein besseres Arbeitsumfeld antreffen können, dann sind wir ganz schnell weg. Übrigens haben viele Nachwuchskräfte zwischen dem 3. und 5. Jahr ihrer Berufstätigkeit das Gefühl, in der Entwicklung stehen zu bleiben und suchen nach neuen Möglichkeiten. Da sollten Arbeitgeber aufpassen.

 

Was müssen Arbeitgeber leisten, um attraktiv für Millennials zu sein?

Dr. Steffi Burkhart: Führung ist ein ganz wichtiges Thema; unsere Generation will visionäre Führungskräfte, die wissen, wie man Menschen fördert und ihnen Gelegenheit geben, sich zu entfalten. Leider finden wir uns heute immer wieder in stark hierarchisch geprägten Organisationen wieder oder werden mit Führungskräften konfrontiert, die dieses hierarchische Denken und Handeln pflegen. Dann wird es schwierig, Dinge neu zu denken und sich zu entfalten. Uns geht es mehr um Kooperation, Partizipation, Interaktion, Teamarbeit und gute Kommunikation. Unternehmen müssen sich deshalb auch mehr zu „caring companies“ entwickeln, wenn sie ihre guten Mitarbeiter halten wollen. Sie müssen nicht nur alles Mögliche anstellen, um ihre Kunden zufrieden zu stellen. Das gleiche Engagement werden sie künftig auch für zufriedene Mitarbeiter aufbringen müssen.

 

Wie homogen sind die Millennials überhaupt in ihren Vorstellungen?

Dr. Steffi Burkhart: Sie sind sehr heterogen in ihren Wünschen, das ist sicherlich dem Trend der Individualisierung geschuldet. Tatsache ist aber auch, dass nicht alle in gleichem Maße auf die neuen Herausforderungen vorbereitet sind oder sich darauf einstellen können. In der Schule, auf der Universität und in der Ausbildung passiert das jedenfalls zum Großteil nicht. So gibt es auch diejenigen, die die zunehmende Komplexität verunsichert und die sich vor allem Sicherheit in ihrem Leben wünschen. Die wird es aber im Berufsleben nicht mehr geben – vermutlich auch nicht im öffentlichen Dienst. Es ist deshalb ganz wichtig, dass wir junge Menschen besser vorbereiten und sie in den Kompetenzen entwickeln, in denen wir uns künftig von Maschinen unterscheiden werden.