General Counsel halten Legal Tech für unverzichtbar, aber viele haben keine Strategie

Legal Technology wird in der Zukunft unverzichtbar sein. Davon ist die Mehrheit der General Counsel überzeugt, die das Institut Corporate Legal Insights (CLI) im Auftrag von Wolters Kluwer Deutschland zu diesem Thema befragt hat. Beteiligt haben sich 62 deutsche Aktiengesellschaften unterschiedlicher Größe und aus mehr als 15 Wirtschaftszweigen. Laut der Studie sind bereits 85 Prozent der Befragten mit Entwicklungen der ersten Stufe der Legal Technology vertraut, die vor allem Büroorganisation, Dokumentenverwaltung und Rechnungslegung betrifft. Optimierungsbedarf sehen die meisten hingegen noch bei Anwendungen, die eine Teil- oder sogar Vollautomatisierung von Rechtsdienstleistungen anstreben. „Die Frage bedeutet nicht, ob Legal Tech sich durchsetzen wird oder nicht, sondern wie schnell sie sich durchsetzen wird“, sagt Prof. Dr. Peter Körner, CLI-Direktor und Lehrbeauftragter an der Hochschule für Ökonomie und Management in Frankfurt., der zu diesem Thema auch auf dem Anwaltszukunftskongress am 13. und 14. September in Düsseldorf sprechen wird. Angesichts der großen Bedeutung, die sie Legal Tech zumessen, ist es umso erstaunlicher, dass 60 Prozent der Befragten dafür noch keine Strategie entwickelt haben. Allerdings hat der Untersuchung zufolge inzwischen mehr als jedes dritte Unternehmen damit begonnen. „Die Definition einer Digitalisierungsstrategie ist herausfordernd, wird aber denjenigen Rechtsabteilungen und Kanzleien, die sich ernsthaft damit auseinandersetzen, Wettbewerbsvorteile verschaffen“, ist Körner überzeugt.

 

So erhoffen sich die meisten der Befragten von der Einführung von Legal Technology in der Rechtsabteilung die Optimierung von Arbeitsabläufen (31,74 Prozent) und der Kostensituation (23,95 Prozent). Als weitere Ziele werden Verbesserungen des Risikomanagements, der Mandanteninformation sowie der Kommunikation mit dem Management genannt. Um diese Vorteile voll ausschöpfen zu können, müssen nach Meinung der Studienteilnehmer Mitarbeiter gegenüber den neuen Entwicklungen aufgeschlossen sein und entsprechend weitergebildet werden. Zudem müsse die Legal Technology mit den internen Prozessen verzahnt werden. So wird die größte Herausforderung in funktionsfähigen und sicheren Datenschnittstellen gesehen. Befragt wurden die Teilnehmer auch zu etwaigen Befürchtungen im Zusammenhang mit Legal Technology. So sorgt sich rund ein Drittel um den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen, beinahe ebenso viele sehen Risiken beim Datenschutz und der IT-Sicherheit und 27,16 Prozent fürchten Fehleinschätzungen bei Rechtsfragen, die auf die Anwendung von Legal Technology zurückgehen. Trotz dieser Befürchtungen ist jeder zweite der Befragten davon überzeugt, dass in zehn Jahren die Hälfte aller Tätigkeiten in der Rechtsabteilung mit Unterstützung von Legal Technology erfolgen wird.

 

Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf den Personalbedarf in den Rechtsabteilungen und Kanzleien nun konkret haben wird, lässt sich schwer voraussagen. „Einige Software-Lösungen werden einen guten Teil dessen, was Anwälte heute tun, entbehrlich machen. Alles, was mit Informationsgewinnung,
-verarbeitung und -systematisierung zu tun hat, können Legal Tech-Lösungen besserund schneller als der Mensch“, prognostiziert Körner. „Aber die Bewertung von Information, verbunden mit einer Rechtsberatung, wird noch so lange von Menschen vorgenommen werden, wie sie für menschliche Mandanten tätig sein werden.“